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Poesia. Edició crítica

Joan Maragall
Geistliches lied

Wenn die Welt so schön ist, o Herr, wenn wir
mit Deiner Ruh’im Auge sie betrachten,
was kannst Du uns im and’ren Leben geben?

D’rum hüte ich so sehr bedacht mein Auge,
das Gesicht und den Leib, die mir gegeben,
und das pochende Herz in meiner Brust –
und habe vor dem Tod so grosse Angst!

Mit welchen and’ren Sinnen wirst Du mich
den blauen Himmelsbogen sehen lassen,
welcher sich hoch über den Bergen wölbt,
das weite Meer, den hellen Sonnenstrahl?
Gib meinen Augen Deinen ew’gen Frieden,
so werd’ ich keinen and’ren Himmel wollen.

Jenen, der nie dem Augenblick gesagt:
„Verweile doch“, nur in der Todestunde,
versteh’ ich nicht, o Herr, ich möchte halten
an einem Tag so viele Augenblicke
und sie in meinem Herzen ewig machen! …
Oder ist schon der Tod dies „Ewigmachen“?
Doch wär’ es so, was wäre dann das Leben?
Ein Schatten bloss der Zeit, die schnell vergeht?
das Trugbild aller Ferne und aller Näh,
die Rechnung des Zuvielen, Vielen, Wenigen,
die trügt, weil alles doch schon alles ist?

Was kümmert’s mich! Wie immer sie auch sei,
diese Welt, so vergänglich, bunt und weit,
diese Erde samt allem, was drauf wächst,
ist meine Heimat, Herr, und könnt’ sie nicht
mein Himmel sein, mein Paradies auf Erden?
Ich bin ein Mensch und menschlich ist mein Mass
für alles, was ich glaube und erhoffe:
wenn mein Glauben und Hoffen hier verweilen,
wirst Du deswegen jenseits mich anklagen?
Jenseits seh’ ich den Himmel und die Sterne,
und auch dort oben möchten mir gern sein:
wenn Du die Dinge so schön gemacht hast,
und meine Augen hast für sie geschaffen,
warum sie schliessen, etwas And’res suchend?
wird’s doch für mich nie etwas Bess’res geben!
Dass es Dich gibt, weiss ich; doch wo bist Du?
In mir ist, was ich seh’, Dein Ebenbild…
So lass mich glauben denn, dass Du hier bist.
Und wenn die schreckenvolle Stunde naht,
in der sich meine Menschenaugen schliessen,
dann öffne Du, o Herr, mir gröss’re Augen,
um Dein unendlich Antlitz anzuschauen.
Sei mir der Tod eine höh’re Geburt!

MARAGALL, Joan. „Geistliches Lied“ („Cant espiritual“). Traducció d’Erika Schwarz i Estaquio Barjau. Document de l’Arxiu Maragall.

NOTA: A l’inici dels anys 1970 es va fer un congrés a Madrid sobre relacions entre literatura espanyola i alemanya, que organitzava Hans Juretschke i la Görresgeschellschaft. Va ser en aquella ocasió que Hans Juretschke va demanar a Estaquio Barjau i Erika Schwarz la traducció d’alguns poemes.


GEISTLICHER GESANG

Wenn die Welt bereits so schön ist, Herr,
Schaut man sie mit Deinem Frieden in unseren Augen,
Was könntest Du uns noch mehr geben in einem anderen Leben?
Darum pflege ich die Augen und das Angesicht
Und den Leib, den Du mir gegeben hast, Herr, und das Herz,
Das immer schlägt... und fürchte ich den Tod.
Mit welchen anderen Sinnen wirst Du mich diesen blauen Himmel
Über den Bergen schauen lassen,
Und das unendliche Meer, und die Sonne die alles erleuchtet?
Gib mir in diesen Sinnen den ewigen Frieden,
Dann wünsche ich keinen anderen Himmel als diesen blauen Himmel.
Wer nie zu einem Augenblick gesagt hat: „Bleibe!“
Ausser zu dem, der ihm den Tod gebracht hat,
Den verstehe ich nicht, Herr; ich würde so gern
Täglich so viele Augenblicke festhalten,
Um sie in meinem Herzen zu verewigen!...
Oder ist dieses Verewigen bereits der Tod?
Aber was wäre dann das Leben?
Wäre es nur der Schatten der Zeit, die verfliegt,
Die Illusion des Fernen und Nahen,
Und wäre das Zählen des Vielen, des Wenigen und des Übermässigen
Nur ein Trug, da alles bereits alles ist?

Ganz gleich! Diese Welt, sei sie wie sie sei,
So vielfältig, so weit, so zeitgebunden:
Diese Erde mit allem, was sie hervorbringt,
Ist meine Heimat, Herr; und könnte sie
Nicht auch eine himmlische Heimat sein?
Mensch bin ich, und menschlich ist mein Mass
All dessen, was ich glauben und erhoffen kann:
Wenn mein Glaube und meine Hoffnung so begrenzt sind,
Wirst Du mir das im Jenseits als Schuld anrechnen?
Jenseits sehe ich den Himmel und die Sterne,
Und selbst da würde ich gern Mensch sein:
Hast Du die Dinge in meinen Augen so schön gemacht,
Hast Du meine Augen und meine Sinne für sie geschaffen,
Warum sie schliessen und ein anderes Wie suchen?
Für mich wird es keines geben wie dieses.
Ich weiss, Herr, dass Du da bist; aber wo? Wer weiss es?
Alles, was ich sehe, ist Dir in mir ähnlich...
Lass mich daher glauben, dass Du hier bist.
Und wenn jene gefürchtete Stunde kommt,
In der diese menschlichen Augen sich schliessen,
Öffne mir, Herr, andere, noch grössere,
Um Dein unendliches Angesicht zu schauen.
Möge mein Tod eine neue grössere Geburt sein!

Traduït per Anna Maria Schulter Rodés
Joan Maragall, Geistliches lied. Document de l’Arxiu Maragall.
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