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Després de la pluja

Sergi Belbel
Nach dem Regen
SZENE 11

Schwarzhaarige          Ich hatte eben an dich gedacht. Man hat es mir gerade erzählt. Ich an deiner Stelle wäre... Echt stark. Es ist das erste Mal, daß so etwas passiert, seit... Gut, ich arbeite hier schon seit mehr als sechs Monaten, und ich habe noch nie erlebt, daß eine... Glückwunsch, wirklich, ich weiß gar nicht, was ich dir sagen soll, das ist die Nachricht des Tages, die Nachricht des Monats, du bist die Nachricht des Jahres, ich weiß gar nicht, was ich dir sagen soll, ich habe sogar von dir geträumt und alles... Jetzt, wo jeder weiß, daß du... ich meine, wo alle von unserer Abteilung genau wissen, daß du anders bist, daß du anders warst, schon davor. Du bist... Bestimmt hatten es die oben längst so geplant, vom ersten Moment an, als sie dich gesehen hatten; jemanden so hochzukatapultieren, das improvisiert man nicht von einem Tag auf den andern. Bestimmt hat der Generaldirektor darauf großen Einfluß genommen, er ist eng befreundet mit dem von den Public Relations, deinem Chef, besser gesagt, deinem... Ex-Chef, he, he, he... Oh, entschuldige, daß ich dich duze!

Brünnette                   Na und?

Schwarzhaarige          Ich sollte dich nicht duzen.

Brünette                     Wieso?

Schwarzhaarige          Jetzt wird alles anders werden.

Brünette                     Ich weiß nicht.

Schwarzhaarige          Jetzt hast du Macht.

Brünette                     Früher hatte ich auch welche. Ohne einen Posten. Macht ist keine Frage von Posten, auch nicht von Stellungen, Werten oder irgendeiner Skala, auch nicht einer Werteskala. Wirkliche Macht liegt im Blick und in der Stimme, in den Worten, Macht liegt in einer Handbewegung, im Schweigen, nicht in einem Chefzimmer, einem Papier, in Kleidung oder Geld, in nichts, was sich messen läßt. Macht läßt sie nicht messen. Und der Blick lügt nicht, er verheimlicht kaum etwas; die Worte, die betrügen, verraten zum Schluß immer denjenigen, der sie sagt; die brüsken, hysterischen Gebärden, die Ticks, die geschwollenen Muskeln und angespannten Körper, die falschen Bewegungen, das unangenehme, ungemütliche Schweigen nach einem Streit sind das Elend der falschen Mächtigen. Der gerade Blick und das freie Wort, Harmonie in der Körpersprache und Ruhe im Schweigen: Das ist meine Macht, und ich besitze sie schon immer.

Schwarzhaarige          Du machst mir angst.

Brünette                     Nein. Du bist mir ähnlich.

Schwarzhaarige          Nichts wäre ich lieber.

Brünette                     Ja.

Schwarzhaarige          Ich bin schwach.

Brünette                     Ich auch.

Schwarzhaarige          Wenn du wüßtest, was ich gerade geträumt habe... Ich bin schwach und feige; ich bin neidisch auf dich.

Brünette                     Eines Tages wirst du Kinder haben, und ich werde neidisch auf dich sein.

Schwarzhaarige          Was?

Brünette                     Ich kann nicht Mutter sein, ich bin unfruchtbar.

Schwarzhaarige          Oh.


Translated by Klaus Laabs
Sergi Belbel, Nach dem Regen. Traducció de Klaus Laabs. Berlín: Henschel Schauspiel, 1995, p. 61-63.
Extracts
In Tuscany
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Caresses
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Després de la pluja
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Strangers
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Blood
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