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Terra Baixa

Àngel Guimerà
Tiefland

MARTA.

(ist heruntergekommen, hat den Topf vom Fuer genommen und auf den Tisch gestellt).

Das Essen ist da!
(Sie legt einen Brotlaib auf den Tisch, und ein Messer dazu.)

PEDRO.
Ich kann nicht essen, Marta. Ich will mit dir sprechen.

MARTA (ihm näherkommend).
Was willst du mir sagen?

PEDRO (den Arm ausstreckend).
Bleib mir vom Leibe, geh! Ich kehr zurück in meine Berge, woher ich kam. Leb wohl!

MARTA. Du darfst nicht geh’n, um Christi Wunden willen! Verzeihe mir!

PEDRO. Ich soll dir verzeihen? Du hast mich betrogen! Verachten, verfluchen sollt ich dich! Ich sollt dich töten!

MARTA. Ja, töte mich, ich bitte dich darum.

PEDRO. Dich tötten, nein. Ich gehe fort. Und seh dich niemals wieder.

MARTA (verzweifelt, sucht ihn zurückzuhalten).

Du hast den Mut nicht, mich zu töten! Ja, du hast Furcht, ein feiger Wicht bist du!

PEDRO. Ich Furcht?

MARTA. Beschimpf mich, schlag mich, tritt mich mit Füen! Sto mir das Messer in die Brust! Nur geh nicht fort.

(Sie umklammert seine Knie.)

PEDRO. Im Tiefland sterb ich, la mich auf die Berge, bleib du in deinem Sumpf! Mit ihm! (Er macht sich von ihr los, stöt sie zurück und geht dem Tore zu. Sie ist auf den Boden gefallen, wo sie sich, auf einen Arm gestützt, etwas aufrichtet.)

MARTA. (verzweiflungsvoll, fast irr, lacht und weint zu gleicher Zeit).

Mit ihm, den ich liebe! Ja, du sprichst wahr. Ich hab dich betrogen, hörst du es wohl? Du bist ein Feigling und strafst mich nicht. Geh nicht von mir!... Pedro! Ich hab einem andern gehört. Sein war ich. Hörst du mich wohl? Sein und nicht dein!

PEDRO. (kehrt wütend zurück und droht ihr mit der Faust). Schweig!

MARTA. (steht auf, sichtlich zufrieden, da er nicht gegangen ist).

Ein Dummkopf bist du! Begreifst du denn nicht? Ich hab dich betrogen und lache darob.

(Sie lacht wie eine Wahnsinnige.) Ich lache wie alle. Die Hochzeit war lustig, sie lachten alle, und er, er lachte auch.

PEDRO. (stürzt auf den Tisch zu und erfat das Messer).
Gott soll mich strafen, wenn ich nicht...

MARTA (hängt sich an seinen linken Arm).
Der andere lachte ha, ha, ha!

PEDRO (schwingt das Messer)
Des Todes bist du...

MARTA. So hab den Mut und stoe zu! La sehn, ob du kein Feigling bist!

PEDRO (entfernt sich wieder von ihr).
Ich tu dir nichts zu Leide.

MARTA (da sie sieht, da er sich abwendet, sucht sie ihn neuerdings zu reizen).

Oh, welch ein feiger Wicht bist du! Um eine Hand voll Geld hast du dich verkauft!

(Sie sieht ihn herausfordernd an.)

PEDRO. (auer sich, führt einen Sto gegen sie). Ich mich verkäuft!? Verruchte!

(Er verwundet sie am Arm.)

MARTA. Ah, endlich!

PEDRO (schleudert entsetzt das Messer weit von sich)

Was hab ich getan?

MARTA. Mein Blut vergossen hast du. Oh, wenn du wütest, wie selig ich bin!

PEDRO. Verflucht sei ich! Ich bin ein wildes Tier!

(Er sitzt auf einem Stuhl, verzweifelt, den Xopf in die Hände gestützt.)

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Translated by Rudolf Lothar
Àngel Guimerà, Tiefland. Berlin: Bote & G. Bock, 1909, p.70-79
Àngel Guimerà
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