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Carícies

Sergi Belbel
Liebkosungen

SZENE 1

Wohnzimmer einer Großstadtwohnung. Sessel.
Jüngerer Mann und Jüngere Frau.

Jüngerer Mann            Seltsam.
Jüngere Frau               Was.
Jüngerer Mann            Das alles.
Jüngere Frau               Was meinst du.
Jüngerer Mann            Ich weiß nicht, ob du es gemerkt hast.
Jüngere Frau               Nein. Was denn.
Jüngerer Mann            Ich hab das Gefühl...
Jüngere Frau               Sag schon.
Jüngerer Mann            Das komische Gefühl...
Jüngere Frau               Was ist los.
Jüngerer Mann            Es ist, als ob...
Jüngere Frau               Als ob was...
Jüngerer Mann            Als ob wir nicht...
Jüngere Frau               Was nicht.
Jüngerer Mann            Als ob wir uns nicht mehr...
(Pause.)
Jüngere Frau               Was.
Jüngerer Mann            Nichts mehr zu sagen hätten.
(Pause.)
Jüngere Frau               Ja.
Jüngerer Mann            Was ja.
Jüngere Frau               Ja, wir haben uns was zu sagen.
Jüngerer Mann            Ach ja?
Jüngere Frau               Ja.
Jüngerer Mann            Was.
(Pause.)
Sag, was.
Jüngere Frau               Ich weiß auch nicht, nicht jetzt.
Jüngerer Mann            Siehst du? Merkst du?
Jüngere Frau               Nein. Was soll ich sehen. Ich merk nichts.
Jüngerer Mann            Du willst nichts merken.
Jüngere Frau               Was denn? Wir werden ja sehen, was?, sag schon, was für Scheißmist ich merken soll, wenn man das vielleicht erfarhen darf?
Jüngerer Mann            Willst du, daß ichs dir nochmal sage?
Jüngere Frau               Nein danke. Wenn du sagen mußt, was du schon mal gesagt hast, dann halt besser den Mund.
Jüngerer Mann            Meinetwegen, wenn besser ist, ich halt den Mund, dann halt ich eben den Mund.
(Pause.)
Jüngere Frau               Wir haben uns eine Menge zu sagen, immernoch, das weißt du genau. Ich weiß, es gibt Sachen, die du denkst, und du sprichst nicht drüber, weil du sie nicht sagen willst,
oder du willst sie mir nicht sagen, ja, du willst sie mir nicht sagen, nicht mir, weil du irgendein Problem hast, von dem ich nichts weiß, von dem du selber nichts weißt, und
das kränkt mich, verstehst du?, das kränkt mich, das quält mich, das tut mir weh, und es tut mir weh, dich so zu sehen, mich so zu sehen, uns so zu sehen, wie wir alle diese
leeren Momente des Schweigens mit leeren Worten füllen, und dann diese Beleidigungen, deine Beleidigungen, weil es verletzend ist, was du eben gesagt hast, du
beleidigst mich, du verletzt mich, wenn du sagst, du hättest mir nichts mehr zu sagen.
Jüngerer Mann            Verzeihung. Moment mal.
Jüngere Frau               Was unterbrichst du mich?! Du unterbrichst mich immer, wenn ich anfange mal... mal einen halbwegs zusammenhängenden Satz zu sagen... einen Satz, der länger ist als
diese einsilbigen Bemerkungen, die so typisch sind dafür, wie wir tagtäglich miteinander reden!! Du kommst mir schon vor wie meine Mutter; und wenn ich bei ihr
ausgezogen bin, dann nicht unbedingt, um mit jemand anders zusammenzuleben, der genauso ist wie sie, oder schlimmer noch! Nichts ist mit Verzeihung, und vonwegen
Moment mal!! Ich habe angefangen zu reden, und ich lasse mir nicht den Mund verbieten!! Wollen wir doch mal sehen, ob sich in dieser scheiß Bude nicht bald was
ändert, wenigstens in der hier!

(Er gibt ihr eine knallharte Ohrfeige.)

Jüngerer Mann            Wenn einer um Verzeihung bittet, verzeiht man ihm, man ist still und hört ihm zu, verstanden? Und ich habe dich gerade um Verzeihung gebeten, nur um kurz mal zu
sagen zu deinem... großartigen Satz, der so unmißverständlich und zusammenhängend ist, hörst du?, und das tu ich auch, das tu ich auch, das tu ich auch!!
(Er schlägt ihr nochmal ins Gesicht, noch härter.)
Ich habe nicht gesagt, ich habe dir nichts mehr zu sagen, hörst du?
(Er ohrfeigt sie noch einmal, hemmungslos.)
Ich habe gesagt, wir haben uns nichts mehr zu sagen. Nicht ich. Nicht du. Ich habe gesagt: wir.

                                   (Stille.)

Traduït per Klaus Laabs
Sergi Belbel, Liebkosungen. Traducció de Klaus Laabs. Berlín: Henschel Schauspiel, 1995, p. 5-7.
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