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Desig

Josep M. Benet i Jornet
Begehren
Aus der Dunkelheit taucht lediglich das Gesicht eines MANNES auf.

Der Mann    Was für ein wundervoller Nachmitagg, heute.
Und die feuchte Kälte in den Knochen.
Kälte, das wunderbare Gefühl von Kälte. Du spürst es.
Kein Schal.
Der Himmel wie Blei, eine dichte Masse, im nächsten Augenblick stürzt er herab.
Es sind nicht jene Wolken mit den imposanten Formen... Ich erinnere mich, wir nannten sie wagnerianisch...
Jene Wolken, die auf uns zu kamen, in jener Nacht, damals, vor dreißig Jahren? Es ist fast dreißig Jahre her.
Es ist deine Erinnerung.
Der Himmel an diesem Nachmittag, so anders. Genauso wunderbar, auch er. Oder noch mehr.
Die Dinge so zu sehen, es gehört zu deinen Gaben.
Ein Schal oder besser ein Unterhemd.
Immer ohne Unterhemd.
Kein Unterhemd tragen, das heißt nicht, noch jung zu sein, aber du trägst keins, und die Kälte kann ungehindert bis an die Knochen.
Jene Wolken, wie sie auf uns zu stürmten...Welch ein blendendes Weiß. Die nasse Straße, ein paar Sträucher, der Nieselregen, der ebenso schnell aufhört, wie er wieder anfängt, der verschlossene Himmel: die Schönheit.
Schönheit ohne Ausflüchte, die man noch sehen, hören, riechen kann... Und die keine Dauer hat.
Das Paradies hat keine Dauert.
Ausgeliefert den äußeren Nebeln,
dort wo nichts ist.
Nicht einmal Schmerz oder wehmütige Erinnerung.
Noch nicht. Im Augenblick nicht. Hier sein.
Hier, in Erwartung.
Jetzt, was du tun mußt.
Aus allem Nutzen ziehen.
Die Manie, die Reste nicht zu verschwenden.
Den eisigen Wind nutzen,
der einem in den Kragen fährt.
Die erstarrten Füße nutzen,
die klammen Hände.
Sich zunutze machen, daß noch etwas getan und vollbracht werden muß: ihr zu helfen.
Daß es gelingt.
Vielleicht ihr später deine Gabe erklären,
aber es wird keine Zeit dazu sein.
Der nasse Asphalt, der nur für dich glänzt.
Seit dem Tag, dir war gerade erst die Gabe verliehen worden, seit dem Tag, an dem sie zurückkam, dieses Gesicht wiederzusehen.
Seit jenem Tag gibt es nichts anderes.
Was geht es sie an.
Einmal, wenn das Fieber sie packt,
empfindet sie mit einmal Scham.
Du nimmst ihre Hand, sprichst ihr Mut zu, regst sie an.
Warum nicht? So bleibt immer etwas zu tun.
Im Verlauf dieses wunderbaren Nachmittags,
dieser letzten leuchtenden Tage.
Wer die Gabe hat, für den ist es ein Trost, etwas zu tun.
Ein brüchiger Trost, der dir dennoch erlaubt, hier zu sein, beinahe glücklich an diesem dürftigen Nachmittag.
Die Gabe, die einen diesen dürftigen Nachmittag verstehen läßt.
Endlich einmal alles verstehen: die bleierne Farbe des Himmels, das Zittern der Sträucher, die Härte des Asphalts...
Verstehen, vor allem, diese feuchte Kälte, die einem in die Knochen schneidet, die deinen kranken Körper erschauern läßt.
Die Krankheit.
Das Urteil, das die Sinne schärft, das zu verstehen erlaubt, das hierzusein erlaubt, geduldig und erwartungsvoll.
Das einem nicht verwehrt, auf jenes Geräusch zu lauschen, das man so sehr erwartet.
Das mich nicht hindert... wie soll ich sagen, mich nicht hindert, auf die Geräusche eines sich nähernden Wagens zu lauschen, in der Ferne noch, ein leises Geräusch, und dann mit einmal ein immer lauterer Motor, und meine Angst wird ein Ende haben, wenigstens für den Augenblick, und ich finde die Kraft zu tun, was ich tun muß, das Warten hat ein Ende, ich versuche es von neuem.
Kann sein, daß sie heute nachmittag vorbeikommt, an diesem wunderbaren Nachmittag.
Kann sein.
Ich gebe ihr ein Zeichen.
Ja, der Wagen hält an.


Traduït per Fritz Rudolf Fries
Josep M. Benet i Jornet, Begehren. Berlín: Henschel Schauspiel, 1997, p. 17-18.
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