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Malina

Malina ist nach Hause gekommen, er findet mich noch im Wohnzimmer, das Schachbrett steht da, die Gläser habe ich noch nicht in die Küche getragen. Malina, der nicht wissen kann, wo ich gesessen bin, weil ich in der Ecke neben der Stehlampe auf dem Schaukelstuhl wippe, mit einem Buch in der Hand, RED STAR OVER CHINA, beugt sich über das Schachbrett, pfeift leise und sagt: Haushoch hättest du verloren! Ich bitte, was heisst ‘haushoch’, und ich hätte vielleicht doch nicht verloren. Aber Malina erwägt und rechnet die Züge aus. Wie kann er wissen, dass ich Schwarz gehabt habe, denn Schwarz hätte, seiner Rechnung nach, am Ende verloren. Malina greift nach meinem Whiskyglas. Wie kann er wissen, dass es mein Glas ist und nicht das Glas, das Ivan, auch halbvoll, stehengelassen hat, aber er trinkt nie aus Ivans Glas, er rührt nichts an, was Ivan kurz vorher berührt hat, benutzt hat, einen Teller mit Oliven oder mit Salzmandeln. Seine Zigarette drückt er in meinem Aschenbecher aus und nicht in dem anderen, der heute abend Ivans Aschenbecher war. Ich komme zu keinem Schluss.

Ich habe China verlassen an der Stelle: Feindliche Truppen setzten sich eilig von Südosten aus in Marsch, andere von Norden. Lin Piao berief sofort eine Militärkonferenz ein.


Ivan und ich: die konvergierende Welt. Malina und ich, weil wir eins sind: die divergierende Welt.

Nie habe ich Malina so wenig brauchen können, er weiss immer weniger anzufangen mit mir, aber wenn er nicht rechtzeitig nach Hause gekommen wäre, mich vorfände zwischen dem grossen Marsch durch China und einem Gedankengang über Kinder, die Ivan nicht ähnlich sehen, würde ich wieder zurückfallen in schlechte Gewohnheiten, Briefe schreiben, Hunderte, oder trinken und zerstören, zerstörerisch denken, alles zerstören und das letzte zerstören, ich würde mein erreichtes Land nicht halten können, abgleiten und es verlassen. Auch wenn Malina schweigt, ist es besser, als alleine zu schweigen, und es hilft mir dann bei Ivan weiter, wenn ich es nicht fassen kann, wenn ich mich nicht fassen kann, weil Malina stets fest und gefasst für mich da ist, und so bleibt mir in den finstersten Stunden noch bewusst, dass Malina mir nie verlorengehen wird – und ginge ich selber verloren!

Zu Malina sage ich du und zu Ivan sage ich du, aber diese beiden Du sind durch einen unmessbaren, unwägbaren Druck auf den Ausdruck verschieden. Beiden gegenüber habe ich von Anfang an kein Sie benutzt, das ich sonst immer gebrauche. Ivan ist zu augenblicklich von mir erkannt worden, und es blieb keine Zeit, ihm näherzukommen durch Reden, ich war ihm schon zugefallen vor jedem Wort. Über Malina wiederum habe ich so viele Jahre nachgedacht, es hat mich so verlangt nach ihm, dass unser Zusammenleben eines Tages nur noch die Bekräftigung war für etwas, was immer so hätte sein sollen und nur zu oft verhindert worden war, durch andere Menschen, durch verkehrte Entschlüsse und Handlungen. Mein Du für Malina ist genau und geeignet für unsere Gespräche und unsere Auseinandersetzungen. Mein Du für Ivan ist ungenau, es kann sich verfärben, verdunkeln, lichten, es kann spröde, mild oder zaghaft werden, unbegrenzt ist die Skala seiner Expressionen, es kann auch ganz allein, in grossen Intervallen, gesagt werden und viele Male sirenenhaft, immer wieder verlockend neu, aber immer noch ist es nicht mit dem Ton, mit jenem Ausdruck gesagt worden, den ich in mir höre, wenn ich unfähig bin, vor Ivan ein Wort herauszubringen. Vor ihm nicht, aber inwendig werde ich eines Tages das Du vollenden. Es wird das Vollkommene sein.

Ingeborg Bachmann, Fragment aus dem Kapittel “Glücklich mit Ivan”. Werke III, Seite 125-127.
Ingeborg Bachmann
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